VOM REICH DER MITTE ZUR INNEREN MITTE

on Mai 21 | in MENSCH & LEISTUNG, REKORDE | by | with No Comments

Er balanciert und balanciert. Profislackliner Alexander Schulz (D) setzt Fuß vor Fuß. Ob Highline oder Slackline, in den Bergen, über Wasser oder in großer Höhe, immer muss der 23-jährige etwas Neues auf dem gut 2,5 cm breiten Spanngurt ausprobieren. Diesmal zog es ihn zurück ins Reich der Mitte in die anmutige Wüstenlandschaft der inneren Mongolei.

»Diese einzigartigen Strukturen, dieser eine Farbton. Das hat so eine Ruhe, die sehr gut zu dem passt, was ich hier vorhabe«, so der Profi. Eine Liebe, die zunächst nicht auf Gegenliebe stösst.

»Das ist auf jeden Fall der extremste Longline-Aufbau den ich je hatte«. Alex muss regelrecht gegen den Wind anschreien, der ihm und seinem Team unerbittlich ins Gesicht peitscht und den feinen Sand in Nase, Mund und Augen bläst.

Der Tag des Rekordversuchs. Die Bedingungen sind nur mittelmäßig, es weht ein leichter Wind. Damit der den Gurt nicht zu sehr in Schwingung gerät, müssen in 10-m-Abständen kleine Gewichte angebracht werden. Fünfmal geht Alex auf die Line, fünfmal muss er vorzeitig abbrechen. Es geht hauptsächlich um die eigene Konzentration. Dann der letzte Versuch, die letzte Chance. Es ist kurz vor Sonnenuntergang gegen 19 Uhr Ortszeit. Immer weiter tastet sich Alex auf dem schmalen Band nach vorne. Schon eine Stunde ist er unterwegs. Als er die 600-m-Marke erreicht, steigt die Aufregung. Alex ist bis zum letzten Schritt hochkonzentriert, wie in einem Tunnel. Dann der letzte Schritt, 610 m sind geschafft.

Mit dieser Distanz schafft Alex am 10. Mai 2015 die »längste Longline-Strecke der Welt«.

© Fotos / One Inch Dreams / Olszewski

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